Grabstele Efeu Friedhof Schönow
Der Friedhof von Schönow ist leicht zu übersehen und eigentlich ist es gar kein Friedhof mehr. Das Gelände liegt direkt am Teltower Damm und wirkt wie eine Brache. Der weiße Zaun mit seinen dichten Maschen, der das Gelände begrenzt, kommt einer ästhetischen Sichtbarriere gleich. Man vermutet dort keinen Friedhof und keinesfalls eine ‚Grünfläche mit Friedhofscharakter‘. Auf dem Zaun verläuft zudem ein Stacheldraht, der dem Areal jeglichen Charme nimmt. Erst der zweite Blick offenbart die vermeintliche Funktion des umzäunten Geländes.
Ab wann die Menschen hier ihre Toten beisetzten, ist unklar. Aber bis ins Mittelalter reicht der Friedhof vermutlich nicht zurück. Vielleicht war es auch anfänglich ein Armenfriedhof für Familien, die sich eine Beisetzung in Teltow samt Transport nicht leisten konnten. Das ist aber reine Spekulation. Vermutlich liegen auch Tote aus Schönow in Teltow begraben. Das und das Fehlen einer Kapelle oder einer Kirche ist womöglich mit der Jahrhunderte langen klerikalen Zugehörigkeit des Dorfes Schönow zu Teltow zu erklären. Erst im 19. Jahrhundert, genauer 1894 gelangte das Dorf zu Zehlendorf. Die Seelsorge oblag noch über Jahrzehnte hinaus auf der Teltower Kirche. Außerdem war das Dorf Schönow sehr arm, wie es auch kirchlichen Akten zu entnehmen ist. Die Menschen konnten die Abgaben nicht bezahlen und sich selbst kaum vom kargen Boden ernähren.
Eines Tages beschloss man, den Friedhof aufzugeben. Es sollte eine Grünfläche werden. Womöglich nutzten die Schönower diesen Gottesacker aber weiterhin. Bis 1831 war es der Aktenlage nach ein „aufgelassener Friedhof“. Das bedeutet, dass man dort keine Beerdigungen mehr vorgenommen hat. Doch beispielsweise der Mitgründer von Schönows erster Kneipe und Mann von Marie Krüger, Peter Bartolo, wurde hier 1828 beigesetzt. Drei Jahre vor der offiziellen Friedhofsdeklaration. Womöglich wurde man damit einfach der tatsächlichen Nutzung gerecht.
Im Jahr 1905 wurde der Friedhof erweitert. Dies geschah auf Veranlassung des Stadtgartendirektors Emil Schubert. Die meisten Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, stammten wohl aus Schönow.
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden hier aber auch Beerdigungen vorgenommen. In der Zahl 113 junge und alte Männer des sogenannten „Volkssturms“, die sich sinnlos der sowjetischen Übermacht entgegenstellten, wurden hier beigesetzt. Sie hatten sich an der Verteidigungslinie am Teltowkanal eingegraben. Die Toten von 1945 nahmen doch einen sichtbaren Anteil unter den Gräbern ein. Sie lagen in vier Sammelgräbern und 18 Einzelgräbern. Zuletzt wurden im April 2023 einige Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft durch den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge umgebettet. Diese Kriegsopfer fanden ihre letzte Ruhe auf dem Parkfriedhof Lichterfelde.
Im Jahr 1968 beschloss man abermals das Ende des Friedhofs. Nach einer Frist von 20 Jahren lief 1988 die Widmung als Friedhof von Schönow aus. Erneut war der Plan, diese Fläche zu einer Grünanlage mit Friedhofscharakter zu entwickeln. Das soll das wenig attraktive Gelände heute auch darstellen: einen kleinen Park mit Friedhofscharakter. Es wirkt, als hätte man es einfach lieblos liegen gelassen.
Eingezäunt mit weißem Stacheldraht lädt das unerquickliche Areal keinesfalls zum Verweilen ein. Gab es außer dem ein oder anderen neugierigen Blick überhaupt schon mal erholungssuchende Menschen darin? Zumindest die Insekten können sich hier noch an der Vielzahl von Blüten erfreuen, bis das Grün gemäht wird. Vielleicht sollte das Mähen in der „Grünfläche“ ganz eingestellt werden. Zusammen mit der Abwesenheit der Menschen würde das ein Idyll für die bedrohte Insektenwelt darstellen.
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Stacheldraht schützt vor Löwen!